FAKT ODER FIKTION: 5 HÄUFIGE MISSVERSTÄNDNISSE ÜBER DIE MEDIZINISCHE BEHANDLUNG IN TSCHECHIEN

Laut einem führenden tschechischen plastischen Chirurgen, Ondrej Mestak, geben Ausländer jedes Jahr über eine halbe Milliarde Kronen für Schönheitsoperationen, assistierte Reproduktion, Fettleibigkeit, gynäkologische Eingriffe und Kurbehandlungen in der Tschechischen Republik aus. Diese Zahlen steigen jährlich bis zu 15 Prozent.[1] Obwohl es keine Statistiken über die Zahl der medizinischen Touristen gibt, die jedes Jahr die Tschechische Republik besuchen, wird diese auf Zehntausende geschätzt und die Zahl soll jährlich bis zu 20 Prozent steigen.[2] Die Tschechische Republik ist heute eines der führenden Reiseziele für Medizintourismus in Europa und besonders beliebt bei Briten und Deutschen sowie Russen und Menschen aus den ehemaligen Sowjetstaaten und dem Nahen Osten.[3] Trotz seiner wachsenden Beliebtheit als Reiseziel für medizinischen Tourismus gibt es in der Tschechischen Republik immer noch einige weit verbreitete Missverständnisse im Zusammenhang mit der medizinischen Behandlung, die potenzielle Besucher abschrecken könnten. Hier schauen wir uns die wichtigsten Bedenken an und decken das Fakt hinter der Fiktion auf:

  1. FICTION: Niedrigere Behandlungskosten sind auf die minderwertige medizinische Versorgung zurückzuführen

FAKT: Die tschechische medizinische Versorgung ist ausgezeichnet und nachweisbar auf höchstem europäischen Niveau. Mit dem Euro Health Consumer Index (EHCI) von 2016, der die öffentlichen Gesundheitssysteme in 35 europäischen Ländern bewertet, liegt die Tschechische Republik auf Platz 13 – vor Großbritannien, Italien und Spanien.[4] Die Kindersterblichkeitsrate ist ebenso auch eine der niedrigsten in Europa. Trotz der hervorragenden Qualität der Versorgung können Behandlungen zwei- bis dreimal günstiger sein als beispielsweise in Großbritannien, Deutschland oder den USA. Der niedrigere Preis ist einfach auf niedrigere Löhne und Kosten zurückzuführen. Die tschechischen Ärzte sind gut ausgebildet und qualifiziert und die Popularität des Landes als führendes medizinisches Tourismusziel trägt zur Verbesserung ihrer Kompetenz bei. Ein tschechischer plastischer Chirurg führt durchschnittlich 450 Operationen pro Jahr durch, während sich die Anzahl der IVF-Zyklen für ausländische Kunden von etwa 5.000 im Jahr 2012 auf über 10.000 im Jahr 2015 verdoppelt hat.[5] Das Gebiet der Medizin hat in der Tschechischen Republik eine bemerkenswerte Geschichte. Im Jahr 1905 führte Dr. Eduard Zirm in Olomouc die erste Hornhauttransplantation durch, eine der ersten erfolgreichen Transplantationen überhaupt. Der berühmte Arzt, Frantisek Burian, wird als der Pate der heutigen plastischen Chirurgie bezeichnet, die er in den 1920er Jahren als eigenständige Spezialisierung bezeichnet hat. Der Chemiker Otto Wichterle entwickelte die weiche Kontaktlinse in den frühen 1960er Jahren und das erste Baby aus dem Reagenzglas in Mittel- und Osteuropa wurde 1982 in Brünn geboren. In der jüngsten Vergangenheit führte Bohdan Pomahac das Team mit den US-plastischen Chirurgen, das im Jahr 2011 die erste vollständige Gesichtstransplantation in den USA durchgeführt.

  1. FICTION: Medizinische Infrastruktur und Einrichtungen sind oft unzureichend

FAKT: Die Besucher der tschechischen Behandlungseinrichtungen sind oft erstaunt und überrascht, dass sie den Privatkliniken in ihrem Heimatland sehr ähnlich sind. Sie sind modern, mit repräsentativerer Technologie und Einrichtung ausgestattet und entsprechen dem hohen Standard, den Sie in einem solchen Haus erwarten. Viele Kliniken haben ISO-Zertifizierung, was bedeutet, dass die Einrichtungen strengen Qualitätskontrollen unterliegen müssen und auch diejenigen, die keine ISO-Zertifizierung haben, sind von der tschechischen Akkreditierungskommission zertifiziert.[6] Kliniken, die IVF anbieten, müssen im Besitz einer Genehmigung für den Betrieb einer Gewebeeinrichtung von SUKL (State Institute for Drug Control) haben und sich regelmäßigen Inspektionen unterziehe.[7] Außerdem ist die Tschechische Republik seit 2004 EU-Mitglied und muss daher alle EU-Richtlinien und -Verordnungen für Arzneimittel, Medizinprodukte, Blut- und Tissueprodukte usw. einhalten. [8]

  1. FICTION: Ärzte sprechen kein Englisch

FAKT: Es kann möglich sein, dass ein durchschnittlicher Tscheche beim Unterhalten in einer Fremdsprache oft zurückhaltend ist, dies ist jedoch bei Ärzten, die in großen und angesehenen Kliniken praktizieren, nicht der Fall. Durch die große Anzahl der englischsprechenden Patienten ist es nicht verwunderlich, dass die Ärzte die Sprache gut beherrschen. Sie sind es gewohnt und geübt, die Verfahren zu erklären und die Fragen der Patienten zu beantworten, wie schwierig auch immer sie sein können. In der Tat haben viele Ärzte verschiedene Berufserfahrungen aus dem Ausland und verfügen über die Sprachzeugnisse, die sie vorweisen können.

  1. FICTION: Die Behandlung ist auf Prag und Brünn beschränkt

FAKT: Obwohl die meisten Einrichtungen der Tschechischen Republik in den zwei größten Städten Prag und Brno konzentriert sind, gibt es hervorragende Alternativen in den kleineren Städten wie Zlin, Olomouc, Kostelec nad Orlici, Teplice, Pilsen, Liberec und Hradec Kralove.[9] Das Land verfügt über ein ausgedehntes, effizientes und sehr preisgünstiges Schienennetz, sodass diese Orte leicht erreichbar sind. Der große Vorteil dabei ist zusätzlich, dass kleinere Städte zwar die gleiche Qualität der Versorgung bieten, aber ihre Preise häufig niedriger sind.

  1. FICTION: Die Tschechische Republik ist schwer zu erreichen

FAKT: Die Tschechische Republik ist weit davon entfernt, sich in den dunkelsten Gegenden Osteuropas zu verstecken. Sie befindet sich im Herz des Kontinents und ist von Billigfluggesellschaften optimal und gut bedient, welche die Strecke zwischen Prag und allen wichtigen europäischen Drehkreuzen verbinden. Es gibt viele tolle Reiseschnäppchen zu finden, mit einigen Flügen aus Großbritannien für nur ein paar Euro, wenn sie im Voraus gebucht werden. Die Schnäppchen enden nicht, wenn das Flugzeug landet. Der Preis für Unterkunft und Verpflegung ist im Vergleich zu anderen europäischen Großstädten auch außerordentlich günstig.

Autor: Natasha Robinson

Übersetzung: Petra Hubáčková

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